Zum digitalen Nachlass gehört alles, was online auf deinen Namen läuft: E-Mail-Konto, Online-Banking, Cloud mit Fotos, Streaming-Abos, Mobilfunkvertrag und Profile in sozialen Netzwerken. Wer das zu Lebzeiten ordnet, erspart seinen Angehörigen im Ernstfall Wochen voller Telefonate. Das Wichtigste dabei ist keine Technik, sondern eine Übersicht auf Papier – und drei Einstellungen, die kaum jemand kennt.
Herr B. aus Dülken hatte alles im Griff, dachte er. Auf einem Zettel im Küchenschrank standen vier Passwörter, ordentlich mit Kugelschreiber notiert. Als er im Frühjahr ins Krankenhaus musste, wollte seine Frau die Stromrechnung bezahlen – und kam nicht ins E-Mail-Postfach. Das Passwort auf dem Zettel war zwei Jahre alt.
Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Fast jeder hat irgendwo etwas notiert. Nur ist es meist unvollständig, veraltet, oder niemand weiß, dass es existiert.
Bei der Bestandsaufnahme kommen fast immer mehr Konten zusammen als gedacht: das E-Mail-Konto – das wichtigste überhaupt, weil sich darüber fast alle anderen Passwörter zurücksetzen lassen –, dazu Online-Banking, Cloud-Speicher mit Fotos, Streaming- und Zeitungsabos, Einkaufskonten, der Mobilfunkvertrag und soziale Netzwerke.
Jedes dieser Konten kann Geld kosten, Erinnerungen enthalten oder beides.
Die großen Anbieter haben für genau diesen Fall längst Funktionen eingebaut. Sie sind kostenlos und in Minuten eingerichtet:
Du legst fest, nach wie vielen Monaten ohne Anmeldung Google davon ausgeht, dass du das Konto nicht mehr nutzt. Danach kann es Vertrauenspersonen benachrichtigen und ihnen ausgewählte Daten freigeben – oder das Konto löschen.
In den iPhone-Einstellungen lässt sich eine Person hinterlegen, die nach dem Tod Zugriff auf Fotos, Nachrichten und Dokumente bekommt. Sie erhält einen Zugriffsschlüssel, den sie zusammen mit der Sterbeurkunde vorlegt.
Du kannst festlegen, ob dein Profil in einen Gedenkzustand versetzt oder gelöscht werden soll, und wer es dann verwalten darf.
So digital das Thema klingt: Die beste Lösung ist ein Notfallordner auf Papier. Eine Datei auf dem Computer nützt niemandem, der nicht in den Computer kommt. Der Ordner gehört zu den Versicherungsunterlagen – und mindestens eine Person sollte wissen, dass er existiert und wo er steht.
Angehörige stehen oft vor einem gesperrten Handy und laufenden Abbuchungen. Hier hilft nur der offizielle Weg: Die Anbieter geben Zugang erst gegen Nachweise frei, in der Regel Sterbeurkunde und Erbnachweis. Wer verspricht, ein Gerät „mal eben“ zu entsperren, sollte misstrauisch machen.
Ein Tipp, der oft übersehen wird: Der schnellste Weg zu den laufenden Abos führt über den Kontoauszug. Dort steht schwarz auf weiß, was monatlich abgeht.
Was ich mache, ist die technische Seite: Konten finden, Zugänge ordnen, Nachlassfunktionen einrichten, Daten sichern, Abos kündigen. Alles, was mit Vollmacht, Testament oder Erbrecht zu tun hat, gehört zu Notar, Rechtsanwalt oder Verbraucherzentrale.
Am Bildschirm oder in der Schreibtischschublade: ja. Im verschlossenen Ordner bei den Versicherungsunterlagen: nein. Die realistische Gefahr ist nicht der Einbrecher, der gezielt nach Passwörtern sucht, sondern dass im Ernstfall niemand mehr an irgendetwas kommt.
Sie laufen weiter. Abos werden weiter abgebucht, Profile bleiben online, und Fotos in einer Cloud können nach längerer Inaktivität gelöscht werden.
Ein Testament regelt, wer erbt – aber es hilft niemandem, der das Passwort nicht kennt. Beides gehört zusammen: die rechtliche Regelung beim Notar und eine praktische Übersicht.
Ja, bei der technischen Seite. Wir machen die Bestandsaufnahme, legen den Notfallordner an und richten die Nachlassfunktionen ein. Für alles Rechtliche verweise ich dich weiter.
Ein Termin, und deine Angehörigen stehen im Ernstfall nicht vor verschlossenen Türen.